Altersvorsorgekonto« als Tarnkappen-Riester-Rente

Vergangene Woche brachte das ARD-Magazin Monitor einen Beitrag über das sogenannte »Alterssicherungskonto«. Dieses Modell soll die Nachteile der privaten Vorsorge im Bereich der Rente vermeiden und somit auch für Niedrigverdiener einen stärkeren Anreiz bilden, für die Rente vorzusorgen.

Die private Vorsorge insbesondere in Verbindung mit der Riester-Rente geriet aus mehreren Gründen in die Kritik: Zum einen entstehen hohe Kosten bei den Versicherern, unter anderem durch die Provisionen, die teilweise die Beiträge der ersten Monate komplett auffressen. Außerdem seien auch hohe Verwaltungskosten mit der Riester-Rente verbunden, die ebenfalls an der Rendite nagen. Überdies verwenden die Versicherungen Sterbetafeln mit langen Lebenserwartungen, um das Auszahlungsrisiko bei der Rente auf die Versicherer auszudehnen. Denn je höher die Lebenserwartung angesetzt wird, desto niedriger ist der Auszahlungsbetrag pro Monat. Stirbt der Versicherte dann frühzeitig, macht die Versicherung Gewinn, weil sie einen Teil des Überschusses, der dann verbleibt, behalten kann.

All diese Nachteile soll das »Alterssicherungskonto« nicht haben. Es wird bei der Deutschen Rentenversicherung eingerichtet, wodurch hohe Verwaltungskosten und Provisionen entfielen. Zudem würde bei diesem »Alterssicherungskonto« mit realistischen Sterbetafeln gerechnet, so daß die Versicherten auch an dieser Ecke nicht über den Tisch gezogen würden. Somit würde das »Alterssicherungskonto« auch für viele Geringverdiener attraktiv, die zurzeit von der Riester-Rente zurückschreckten, weil sie von den hohen Kosten nichts hätten.

Einige schwere Mängel hat dieses Modell trotzdem, über die Monitor schweigt und auch die NachDenkSeiten, die auf den Beitrag von Monitor verlinkt haben, kein Wort verlieren: Zum einen ist das »Altersvorsorgekonto« nichts weiter als eine kostengünstigere Abwandlung der Riester-Rente, zum anderen haben die Sparer mit niedrigem Einkommen auch von dem Modell nichts, weil sie während ihres Arbeitslebens auf Konsum verzichten und am Ende doch keine höhere Rente haben, wenn sie mit der gesetzlichen Rente und den Zuwendungen aus dem »Alterssicherungskonto« unterhalb der Grundsicherung liegen. Sie entlasten damit allenfalls den Staat, der weniger Grundsicherung zahlen müßte, ohne davon eine höhere Rente zu haben. Des weiteren sind die Einzahlungen in dieses Modell wie auch bei der Riester-Rente alleinige Sache der Arbeitnehmer/innen. Es handelt sich also weiterhin um ein Programm zur Entlastung der Arbeitgeber, die zu diesem Modell keinen Beitrag leisten. Letztlich könnte dieses Modell eine attraktive Alternative für die SPD sein, um ihre verkorkste Riester-Rente zu retten.

Denn an den Grundübeln ändert dieses Modell nichts: Die Belastung der Arbeitnehmer bleibt weiterhin erhöht. Die Politik hat nach wie vor keinen Anreiz, die unsägliche Absenkung des Rentenniveaus wieder rückgängig zu machen und die umlagefinanzierte Renten wird nach wie vor nicht gestärkt.

Statt sich zu überlegen, wie die unsägliche Riester-Rente gerettet werden könnte, sollte dieses Modell komplett aufgegeben werden. Die bisherigen Ersparnisse sollten mit entsprechenden Anwartschaften auf die umlagefinanzierte Rente übertragen werden. Die paritätische Finanzierung sollte voll wiederhergestellt und gegebenenfalls die Beiträge erhöht werden. Die Arbeitnehmer würden mit einem solchen Modell weniger belastet als mit der Riester-Rente oder dem »Altersvorsorgekonto«.

Geschwiegen hat der Beitrag von Monitor übrigens auch darüber, wie eigentlich das Geld der Sparer angelegt werden soll. Denn wenn es nicht angelegt wird, frißt die Inflationen einen nicht unerheblichen Teil davon auf. Wird es angelegt, unterliegt es den gleichen Regeln des Kapitalmarktes wie die Privatvorsorgeprodukte und kann sich bei der nächsten Finanzkrise in Luft auflösen. Auch dieses Risiko besteht bei der Umlagefinanzierung nicht, denn die eingenommen Beiträge werden sofort an die Rentnergeneration ausgezahlt. Sie ist somit krisen- und inflationsfest. Dies wäre auch ein weiterer Grund, die umlagefinanzierte Rente zu stärken, statt sich neue Wege der Privatvorsorge zu überlegen, mit denen am Ende nur die Lasten von den Arbeitgeber/innen auf die Arbeitnehmer/innen abgewälzt werden sollen.

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